Inklusive Schule: Warum gute Haltung allein nicht reicht

20.10.2026
von Werkstudentinnen
Unterschiedliche Lern- und Unterrichtsmaterialien auf einem hellen Holztisch als Symbol für Haltung, Erfahrung und professionelle Handlungssicherheit in inklusiver Schule — Illustration erstellt mit KI

  • Eine positive Einstellung zur Inklusion ist wichtig. Sie sagt aber noch nicht, wie handlungsfähig sich eine Lehrkraft in konkreten Unterrichtssituationen fühlt.
  • Aktuelle Forschung zeigt, dass Einstellungen, Selbstwirksamkeit und praktische Erfahrungen zusammenhängen. Daraus entsteht jedoch keine einfache Ursache-Wirkungs-Kette.
  • Lehrkräfte zu stärken bedeutet deshalb mehr als Appelle an die richtige Haltung. Wissen, Erfahrungen, professionelle Lerngelegenheiten und schulische Bedingungen müssen zusammengedacht werden.

„Für gute Inklusion braucht es vor allem die richtige Haltung.“

Der Satz klingt plausibel. Er greift aber zu kurz.

Eine positive Einstellung zur Inklusion sagt noch nicht, wie sicher sich eine Lehrkraft im Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen fühlt. Sie zeigt auch nicht unmittelbar, welche Erfahrungen Schülerinnen und Schüler im Unterricht machen.

Aktuelle Forschung aus dem Jahr 2026 macht deutlich, dass mindestens vier Ebenen unterschieden werden sollten: Einstellung, Selbstwirksamkeit, Erfahrung und Praxis sowie schulische Ergebnisse.

Diese Ebenen können miteinander zusammenhängen. Sie sind aber nicht dasselbe und bilden keine automatische Wirkungskette.

Kurz gesagt: Eine positive Haltung zur Inklusion ist wichtig, reicht für gute inklusive Unterrichtspraxis aber nicht allein aus. Lehrkräfte brauchen auch fachliches Wissen, professionelle Erfahrungen, Handlungssicherheit und geeignete schulische Bedingungen. Wie diese Faktoren zusammenhängen, ist Gegenstand aktueller Forschung.

In diesem Beitrag erfährst du:

Warum erklärt die Haltung von Lehrkräften nicht alles?

Lehrkräfte sind zentrale Akteurinnen und Akteure inklusiver Schule. Sie gestalten Unterricht, begleiten Lernprozesse und treffen jeden Tag pädagogische Entscheidungen.

Trotzdem wäre es zu einfach, den Erfolg schulischer Inklusion unmittelbar aus ihrer Einstellung abzuleiten.

Eine Lehrkraft kann gemeinsames Lernen ausdrücklich befürworten und sich gleichzeitig in bestimmten Situationen nicht ausreichend vorbereitet fühlen. Umgekehrt sagt ein hohes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten noch nicht, wie Unterricht tatsächlich verläuft oder welche Teilhabemöglichkeiten Schülerinnen und Schüler erleben.

Genau deshalb lohnt sich die Trennung verschiedener Ebenen.

Vier Ebenen, die bei inklusiver Schule nicht verwechselt werden sollten

01

Einstellung

Wie bewerte ich inklusive Bildung?

Überzeugungen und Bewertungen zur gemeinsamen Bildung von Lernenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen.

02

Selbstwirksamkeit

Was traue ich mir im Unterricht zu?

Die subjektive Einschätzung, konkrete inklusive Unterrichtssituationen erfolgreich bewältigen zu können.

03

Erfahrung und Praxis

Was erlebe und tue ich tatsächlich?

Praktische Unterrichtserfahrungen, professionelle Lerngelegenheiten und konkrete Handlungen.

04

Schulische Ergebnisse

Was verändert sich für Schülerinnen und Schüler?

Fachliches Lernen, Beteiligung und weitere schulische Erfahrungen. Nicht alle Dimensionen werden in den aktuellen Studien gleichermaßen untersucht.

Der Kontext zählt ebenfalls: Schulische und institutionelle Bedingungen beeinflussen, in welchem Umfeld diese Ebenen zusammenwirken. Sie werden hier bewusst nicht als empirisch quantifizierter „fünfter Faktor“ dargestellt.

Hinweis: Die Forschung untersucht Zusammenhänge zwischen diesen Ebenen. Daraus folgt keine automatische Ursache-Wirkungs-Kette. Die Darstellung ist eine redaktionelle includo-Synthese und kein extern validiertes Forschungsmodell.

Wie Inklusion im deutschen Bildungssystem strukturell aussieht, betrachten wir in einem eigenen Beitrag. Hier geht es bewusst um die Lehrkräfteebene und die Frage, was sich aus aktueller Forschung über Einstellungen, Selbstwirksamkeit und Erfahrung ableiten lässt.

Was unterscheidet Einstellung und Selbstwirksamkeit?

Einstellungen beschreiben, wie Lehrkräfte inklusive Bildung grundsätzlich bewerten.

Eine Lehrkraft kann gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Voraussetzungen beispielsweise für richtig und wichtig halten.

Inklusionsbezogene Selbstwirksamkeit meint etwas anderes. Sie beschreibt, wie sehr sich eine Lehrkraft zutraut, konkrete Anforderungen inklusiven Unterrichts bewältigen zu können.

Dazu kann beispielsweise gehören, Unterricht an unterschiedliche Lernvoraussetzungen anzupassen oder Beteiligung in einer heterogenen Lerngruppe zu unterstützen.

Beide Konstrukte hängen statistisch zusammen, sind aber nicht identisch. Eine Meta-Analyse von Yada und weiteren Forschenden beschreibt einen moderaten positiven Zusammenhang.

Für die Praxis ist die Unterscheidung wichtig. Wer ausschließlich nach der Einstellung einer Lehrkraft fragt, weiß damit noch nicht, welche Unterstützung sie für konkrete Unterrichtssituationen benötigt.

Kurz gesagt: Eine positive Haltung beantwortet die Frage „Wie stehe ich zu Inklusion?“. Selbstwirksamkeit beantwortet eher die Frage „Traue ich mir zu, in dieser Situation professionell zu handeln?“

Welche Rolle spielen praktische Erfahrungen mit Inklusion?

Besonders interessant ist eine vierjährige Längsschnittstudie von Fahrbach, Schwab und Hübner aus dem Jahr 2026.

Analysiert wurden Daten von 2.419 berufstätigen Lehrkräften und Lehramtsstudierenden in Deutschland. Untersucht wurde das zeitliche Zusammenspiel von Einstellungen, Selbstwirksamkeit und Erfahrungen mit der Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Ein zentraler Befund war, dass vorhandene Inklusionserfahrungen positivere spätere Einstellungen und höhere spätere Selbstwirksamkeit statistisch vorhersagten.

Damit wird Erfahrung interessant, weil sie nicht nur als Folge bereits vorhandener Überzeugungen erscheint. Sie steht auch mit ihrer späteren Entwicklung in Beziehung.

Die Untersuchung zeigte allerdings kein durchgehend einfaches positives Muster. Höhere Selbstwirksamkeit stand in bestimmten Analysen mit einer ungünstigeren späteren Einstellungsentwicklung in Zusammenhang.

Das bedeutet weder, dass Selbstwirksamkeit problematisch ist, noch dass mehr Erfahrung Lehrkräfte automatisch inklusionsfreundlicher macht.

Methodische Grenze: Eine Längsschnittstudie kann zeigen, welches Merkmal ein späteres Merkmal statistisch vorhersagt. Daraus folgt noch nicht automatisch, dass das erste Merkmal die spätere Veränderung verursacht hat.

Die angemessene Schlussfolgerung ist deshalb zurückhaltender: Die Entwicklung professioneller Überzeugungen verläuft nicht nach einer einfachen positiven Spirale.

Führt eine positive Einstellung automatisch zu besseren Schulleistungen?

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2026 untersucht genau diese naheliegende Frage.

Wächter und Gorges analysierten Daten von 217 Lehrkräften und 2.079 Schülerinnen und Schülern an 26 inklusiven Schulen in Nordrhein-Westfalen.

Betrachtet wurden Leistungen in Lesen, Rechtschreibung und Mathematik zu Beginn und am Ende der fünften Klasse.

In den Querschnittsanalysen fanden sich positive Zusammenhänge zwischen der Selbstwirksamkeit von Lehrkräften und fachlichen Leistungen. Die Längsschnittanalysen ergaben ein komplexeres Muster. Signifikante Beziehungen traten insbesondere im Bereich Rechtschreibung auf, teilweise entgegen den ursprünglichen Erwartungen.

Daraus lässt sich weder schließen, dass positive Einstellungen Leistungen automatisch verbessern, noch dass eine positive Haltung grundsätzlich schadet.

Die Studie macht vielmehr sichtbar, wie schwierig es ist, fachliche Lernergebnisse auf einzelne Überzeugungen von Lehrkräften zurückzuführen. Die Ergebnisse gelten für die untersuchten Schulen, Jahrgangsstufen und Leistungsbereiche und lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle schulischen Kontexte übertragen.

Fachliche Leistung ist nicht die gesamte Qualität von Inklusion

Lesen, Rechtschreibung und Mathematik sind wichtige schulische Ergebnisse. Sie erfassen aber nicht alle Dimensionen inklusiver Bildung.

Fachliches Lernen

Welche Kompetenzen entwickeln Schülerinnen und Schüler?

Beteiligung

Können Schülerinnen und Schüler am Unterricht und Schulleben teilhaben?

Zugehörigkeit und Beziehungen

Wie erleben Schülerinnen und Schüler Anerkennung und soziale Beziehungen?

Individuelle Lernmöglichkeiten

Werden unterschiedliche Lernvoraussetzungen angemessen berücksichtigt?

Diese zusätzlichen Dimensionen sind für die Einordnung inklusiver Schule relevant. Sie wurden in der genannten Leistungsstudie jedoch nicht alle untersucht. Deshalb wäre ein Gesamturteil über den Erfolg schulischer Inklusion aus diesen Leistungsdaten nicht gerechtfertigt.

Was zeigt eine große Meta-Analyse über die Selbstwirksamkeit von Lehrkräften?

Eine Netzwerk-Meta-Analyse von Giorgi und weiteren Forschenden bündelt einen deutlich größeren Forschungsstand.

128
Studien
50.878
Lehrkräfte
399
Korrelationen

Besonders starke statistische Zusammenhänge mit inklusionsbezogener Selbstwirksamkeit fanden sich unter anderem bei sozialem Modelllernen, praktischer Handlungserfahrung und inklusiven Handlungsabsichten.

Das liefert Ansatzpunkte für die Professionalisierung. Gelegenheiten, professionelles Handeln zu beobachten, auszuprobieren und zu reflektieren, erscheinen aus dieser Perspektive besonders relevant.

Dabei ist die methodische Grenze entscheidend. Die Meta-Analyse untersucht statistische Zusammenhänge. Sie beweist nicht, dass eine bestimmte Fortbildung oder zusätzliche Praxiserfahrung in jedem Kontext die Selbstwirksamkeit erhöht.

Auch die schwächeren Beziehungen bestimmter Ressourcenbeschränkungen zur Selbstwirksamkeit dürfen nicht als Aussage verstanden werden, Personal, Zeit oder geeignete Unterstützung seien für inklusive Schule unwichtig.

Selbstwirksamkeit ist die untersuchte psychologische Zielgröße. Sie ist nicht dasselbe wie Unterrichtsqualität, Personalausstattung oder tatsächliche Teilhabe.

Was brauchen Lehrkräfte für inklusive Unterrichtspraxis?

Aus den Studien lässt sich kein allgemeingültiger Maßnahmenkatalog ableiten. Mehrere professionelle Lernquellen werden aber sichtbar.

Fachwissen

Pädagogisches und didaktisches Wissen hilft, unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu erkennen und geeignete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Begleitete Erfahrungen

Praktische Situationen können Lerngelegenheiten sein, besonders wenn Erfahrungen reflektiert und professionell eingeordnet werden.

Lernen von anderen

Kollegialer Austausch, gemeinsame Reflexion und die Beobachtung professioneller Praxis können zusätzliche Lernmöglichkeiten eröffnen.

Tragfähige Bedingungen

Professionelles Handeln findet innerhalb konkreter Schulstrukturen statt. Zeit, Unterstützung und Zusammenarbeit beeinflussen die vorhandenen Handlungsmöglichkeiten.

Eine Untersuchung von Heyder und weiteren Forschenden aus dem Jahr 2026 beschäftigt sich zusätzlich mit Diversitätswissen und dessen Zusammenhang mit Einstellungen, Selbstwirksamkeit und professionellen Aspekten.

Entscheidend ist dabei, individuelle und strukturelle Faktoren nicht gegeneinander auszuspielen.

„Lehrkräfte professionell zu unterstützen bedeutet nicht, die Verantwortung für das Gelingen von Inklusion allein auf einzelne Personen zu übertragen.“

Eine Lehrkraft kann sich handlungsfähig fühlen und trotzdem unter schwierigen schulischen Bedingungen arbeiten. Umgekehrt garantiert eine gute Ausstattung nicht automatisch hohe professionelle Handlungssicherheit.

Professionalisierung und strukturelle Unterstützung gehören deshalb zusammen, ohne dass sie dieselbe Forschungsfrage beantworten.

Dass Lehrkräftebildung auch bei anderen großen Bildungsaufgaben nicht sinnvoll allein vom persönlichen Engagement Einzelner abhängen sollte, zeigt unser Beitrag zu Nachhaltigkeit im Unterricht und BNE. BNE und inklusive Bildung sind unterschiedliche Themen. Die strukturelle Frage professioneller Unterstützung berührt jedoch beide.

Was verändert sich, wenn Menschen mit Behinderungen selbst Lehrkräfte ausbilden?

Ein weiterer Forschungsansatz erweitert den Blick auf Professionalisierung.

Scheer, Mechler und Heyl untersuchten ein Bildungsangebot im Lehramtsstudium, bei dem Bildungsfachkräfte mit kognitiven Beeinträchtigungen selbst lehren.

Die Untersuchung kombinierte quantitative und qualitative Zugänge. Für die Prä-Post-Untersuchung wurden Daten von 57 Personen ausgewertet, die qualitative Auswertung umfasste 39 Personen.

Die veröffentlichten Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Bildungsangebote positivere Einstellungen zur Inklusion unterstützen können. Zusätzlich beschrieben Studierende Entwicklungen in sozialen und berufsbezogenen Kompetenzbereichen sowie veränderte Sichtweisen auf Inklusion und Menschen mit Behinderungen.

Für includo ist dabei nicht nur das Messergebnis interessant, sondern auch die Rollenverteilung.

Menschen mit Behinderungen sind hier nicht Gegenstand einer Lehrveranstaltung. Sie sind selbst Lehrende und bringen ihre fachlichen und biografischen Perspektiven in die Hochschulbildung ein.

Die Studie untersucht allerdings ein konkretes Angebot mit begrenzter Stichprobe. Sie belegt nicht, dass eine einzelne Lehrveranstaltung langfristig bessere Unterrichtsqualität oder bessere schulische Ergebnisse hervorbringt.

Was zeigt die Forschung und was bleibt offen?

Die aktuellen Arbeiten erweitern unser Verständnis von Einstellungen, Selbstwirksamkeit, Erfahrungen und Professionalisierung. Vier Grenzen sollten bei ihrer Interpretation erhalten bleiben.

Zusammenhang ist nicht Ursache

Auch Längsschnittdaten zeigen zeitliche Beziehungen, ohne damit automatisch jede kausale Erklärung zu liefern.

Selbstwirksamkeit ist nicht Unterrichtsqualität

Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und die tatsächlich beobachtete Unterrichtspraxis sind unterschiedliche Untersuchungsgegenstände.

Schulleistung ist nicht die gesamte Teilhabe

Fachliche Leistungen sind wichtig, erfassen aber nicht alle Aspekte schulischer Zugehörigkeit, Beteiligung und Erfahrung.

Eine Veränderung ist noch kein Langzeitnachweis

Eine konkrete Bildungsmaßnahme kann mit Veränderungen verbunden sein, ohne damit dauerhafte spätere Unterrichtswirkungen nachzuweisen.

Unsere includo Einordnung: Inklusive Bildung gemeinsam möglich machen

includo

Wir bei includo finden es wichtig, Lehrkräfte nicht nur von inklusiver Bildung zu überzeugen, sondern sie bei der Umsetzung im Unterricht zu stärken. Eine positive Haltung ist ein guter Ausgangspunkt. Damit daraus professionelle Handlungsmöglichkeiten entstehen, brauchen Lehrkräfte Wissen, Erfahrungen, Austausch und schulische Bedingungen, die gemeinsames Lernen unterstützen.

Besonders überzeugt uns der Ansatz, Menschen mit Behinderungen selbst als Lehrende einzubeziehen. Sie können Wissen vermitteln, Erfahrungen einbringen und Perspektiven eröffnen, die in der klassischen Lehrkräftebildung möglicherweise weniger sichtbar sind. Für uns zeigt sich darin ein wichtiger Gedanke inklusiver Bildung: Menschen mit Behinderungen sollen Bildung nicht nur erhalten, sondern auch mitgestalten können.

Inklusive Bildung wird stärker, wenn Lehrkräfte professionell unterstützt werden und Menschen mit Behinderungen ihre Perspektiven als aktive Mitgestaltende einbringen können.

Fazit: Inklusive Schule braucht mehr als Appelle

Eine positive Haltung kann für inklusive Bildung bedeutsam sein.

Sie ist aber weder eine Unterrichtsmethode noch eine ausreichende Erklärung für schulische Ergebnisse.

Aktuelle Forschung zeigt ein komplexes Zusammenspiel von Einstellungen, Selbstwirksamkeit und Erfahrungen. Was Schülerinnen und Schüler tatsächlich lernen und erleben, bildet wiederum eine eigene Ebene.

Wer Lehrkräfte stärken möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich an ihre Überzeugungen appellieren. Es geht ebenso darum, fachliches Wissen zu entwickeln, professionelle Erfahrungen zu ermöglichen, gemeinsames Lernen zu fördern und geeignete schulische Bedingungen zu schaffen.

Eine inklusive Schule entsteht nicht allein durch die richtige Einstellung. Sie braucht Menschen, die professionell handeln können, und Strukturen, die ihnen das ermöglichen.

Häufige Fragen zu Lehrkräften und inklusiver Schule

Welche Rolle spielen Lehrkräfte bei inklusiver Schule?

Lehrkräfte gestalten Unterricht und sind deshalb zentrale Akteurinnen und Akteure schulischer Inklusion. Ihre Einstellungen, ihre Selbstwirksamkeit und ihre Erfahrungen können mit professionellem Handeln zusammenhängen. Sie arbeiten jedoch immer innerhalb schulischer und institutioneller Bedingungen.

Was bedeutet Selbstwirksamkeit im inklusiven Unterricht?

Selbstwirksamkeit beschreibt, wie sehr sich eine Lehrkraft zutraut, konkrete inklusive Unterrichtssituationen erfolgreich zu bewältigen. Sie unterscheidet sich von einer allgemeinen positiven Einstellung zur Inklusion und ist kein unmittelbarer Nachweis guter Unterrichtsqualität.

Wie beeinflussen Erfahrungen die Einstellung von Lehrkräften zur Inklusion?

Eine vierjährige Längsschnittstudie fand, dass vorhandene Inklusionserfahrungen positivere spätere Einstellungen und höhere spätere Selbstwirksamkeit statistisch vorhersagten. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass zusätzliche Erfahrungen diese Veränderungen verursachen.

Führt eine positive Einstellung zu besseren Schulleistungen?

Die aktuelle Forschung zeigt kein einfaches Muster. Eine Längsschnittstudie aus Nordrhein-Westfalen fand sowohl positive als auch unerwartete statistische Zusammenhänge. Daraus lässt sich weder ein automatischer Leistungsvorteil noch ein genereller Nachteil positiver Einstellungen ableiten.

Was hängt mit der Selbstwirksamkeit von Lehrkräften zusammen?

Eine große Netzwerk-Meta-Analyse fand deutliche Zusammenhänge unter anderem mit praktischer Handlungserfahrung, sozialem Modelllernen und inklusiven Handlungsabsichten. Diese Ergebnisse sind keine allgemeine Wirksamkeitsgarantie für einzelne Fortbildungsmaßnahmen.

Können Menschen mit Behinderungen selbst an der Lehrkräftebildung mitwirken?

Ja. Ein untersuchter Ansatz setzt Bildungsfachkräfte mit kognitiven Beeinträchtigungen selbst als Lehrende im Lehramtsstudium ein. Die vorliegende Untersuchung liefert Hinweise auf Veränderungen bei Einstellungen und wahrgenommenen Kompetenzbereichen, weist aber keine langfristigen Wirkungen auf spätere Unterrichtsqualität nach.

Quellen und weiterführende Forschung

  1. Wächter, Tobias / Gorges, Julia: Do teachers’ inclusion-related attitudes and self-efficacy promote academic achievement? Results of a longitudinal study. Teaching and Teacher Education, 2026.
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0742051X2600288X
  2. Fahrbach, Thorsten / Schwab, Susanne / Hübner, Nicolas: Exploring the temporal order of teachers’ attitudes toward inclusive education, inclusion-related self-efficacy, and experiences with inclusion. Teaching and Teacher Education, 2026.
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0742051X26000727
  3. Giorgi et al.: Exploring variables related to teachers' self-efficacy in inclusive education: A network meta-analysis approach. International Journal of Educational Development, 2026.
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0738059325002597
    https://doi.org/10.1016/j.ijedudev.2025.103461
  4. Scheer, David / Mechler, Christina / Heyl, Vera: Inklusive Bildungsangebote im Lehramtsstudium: Mixed-Methods-Studie zu den Wirkungen der Lehre von Bildungsfachkräften mit kognitiven Beeinträchtigungen.
    https://doi.org/10.3262/SZ2504410
    https://beltz.de/zeitschriften/beitraege/inklusive-bildungsangebote-im-lehramtsstudium-mixed-methods-studie-zu-den-wirkungen-der-lehre-von-bildungsfachkraeften-mit-kognitiven-beeintraechtigungen/SZ2504410
  5. Yada et al.: Meta-Analyse zu Einstellungen und Selbstwirksamkeit von Lehrkräften in inklusiver Bildung.
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0742051X21002468
  6. Wray, Sharma & Subban: Systematisches Review zu Selbstwirksamkeit und inklusiver Bildung.
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0742051X22001743
  7. Heyder et al.: Forschung zu Diversitätswissen und professioneller Kompetenz, 2026.
    https://doi.org/10.1111/1471-3802.70083

Bei der Erstellung dieses Beitrags und seiner Illustrationen wurde generative KI unterstützend eingesetzt. Die inhaltliche Auswahl, Einordnung und redaktionelle Prüfung verantwortet der Autor.

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