Soziale Beschaffung: Wie Unternehmen über den Einkauf echte Wirkung schaffen

04.05.2026
von Werkstudentinnen
Kleine Messingwaage mit Preisschild und Holzfigur mit Herz auf warmem Holzuntergrund — includo Blog — Illustration erstellt mit KI

  • Soziale Beschaffung bedeutet, beim Einkauf nicht nur Preis und Qualität zu bewerten, sondern auch soziale Wirkung: Menschenrechte, faire Arbeit, Barrierefreiheit und Inklusion.
  • Die öffentliche Hand beschafft Waren und Dienstleistungen im Wert von geschätzt 500 Milliarden Euro pro Jahr — rund 13 Prozent des BIP (Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung).
  • Aufträge an anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) können nach § 223 SGB IX teilweise auf die Ausgleichsabgabe angerechnet werden.

Nachhaltigkeit im Einkauf klingt schnell nach Zertifikaten, Lieferkettenaudits und langen Prozessen. Für viele Unternehmen fühlt sich das wie ein Zukunftsprojekt an. Dabei beginnt soziale Beschaffung oft mit einer einzigen Frage: Von wem kaufen wir eigentlich, und welche Wirkung entsteht dadurch?

Wenn du verstehen willst, was Inklusion im Unternehmenskontext grundsätzlich bedeutet: Was Inklusion für Unternehmen bedeutet

In diesem Beitrag erfährst du:

Was soziale Beschaffung eigentlich bedeutet

"Soziale Beschaffung bedeutet, Einkaufsentscheidungen nicht nur nach Preis und Qualität zu treffen, sondern auch soziale Wirkung mitzudenken."

Soziale Beschaffung stellt beim Einkauf zusätzliche Fragen: Wer stellt ein Produkt her? Unter welchen Bedingungen? Werden Menschenrechte gewahrt? Entstehen faire Arbeitsbedingungen? Wird Teilhabe ermöglicht?

Das BMZ formuliert es für die öffentliche Beschaffung deutlich: Die öffentliche Beschaffung der Bundesregierung soll ökologisch und sozial nachhaltiger werden. Durch die konsequente Anwendung von Sozial- und Umweltstandards bei der Vergabe von Aufträgen werden Unternehmen in die Pflicht genommen (BMZ, Nachhaltige öffentliche Beschaffung). Für private Unternehmen ist das nicht dieselbe Rechtslage, aber die Richtung ist relevant: Nachhaltigkeit im Einkauf wird breiter verstanden.

Warum soziale Beschaffung 2026 wichtiger wird

"Soziale Kriterien werden nicht mehr nur allgemein diskutiert. Sie werden in Beschaffungsprozessen, Schulungen und Leitfäden konkretisiert."

Soziale Beschaffung wird operativer. Die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung hat 2026 den digitalen Fachtag „Barrierefrei und inklusiv beschaffen: Öffentliche Vergabe sozial nachhaltig gestalten" durchgeführt und betont dabei, dass Barrierefreiheit und Inklusion für die Gestaltung sozial nachhaltiger Vergaben berücksichtigt werden können (KNB / Vergabe.NRW, 2026). Das ist kein isoliertes Event, sondern ein Signal für eine größere Entwicklung.

Für Unternehmen heißt das: Wer heute eigene Routinen für soziale Beschaffung aufbaut, ist nicht spät dran, sondern früh.

Der Unterschied zwischen ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit im Einkauf

"Nicht entweder ökologisch oder sozial — sondern beides zusammen gedacht."

Viele Unternehmen haben ökologische Nachhaltigkeit im Einkauf schon stärker im Blick: Materialien, Verpackung, CO₂, Energieeffizienz, Recycling. Soziale Nachhaltigkeit stellt andere Fragen. Sie fragt nach Menschenrechten, Arbeitsbedingungen, Teilhabe, Barrierefreiheit und Inklusion. Das BMZ verbindet beide Perspektiven ausdrücklich über Sozial- und Umweltstandards (BMZ). Für Unternehmen entsteht daraus ein breiterer Nachhaltigkeitsbegriff im Einkauf.

Menschenrechte als Kriterium im Einkaufsprozess

"Menschenrechte wirken abstrakt. Im Einkauf werden sie konkret."

Die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung bietet eine Online-Schulung mit dem Schwerpunkt „Menschenrechte in der öffentlichen Beschaffung" an, bei der es darum geht, Teilnehmende für ihre Verantwortung im Beschaffungsprozess zu sensibilisieren und praxisnahe Umsetzungsmöglichkeiten zu entwickeln (KOINNO/BMWK, 2025). Das zeigt: Soziale Nachhaltigkeit wird zunehmend operationalisiert, mit konkreten Kriterien, Leitfäden und Prüfinstrumenten.

Für Unternehmen ist das ein praktischer Hinweis. Wer soziale Beschaffung ernst nimmt, kann mit einfachen Fragen beginnen: Welche Mindeststandards gelten für unsere Lieferanten? Welche Produktgruppen haben soziale Risiken? Wo können wir bewusst Anbieter wählen, die Teilhabe stärken? Nicht jedes Unternehmen braucht sofort ein komplexes Audit-System, aber jedes kann anfangen, soziale Kriterien in Einkaufsentscheidungen sichtbar zu machen.

Warum öffentliche Beschaffung ein Signal für Unternehmen ist

"Zwischen Marktmacht und tatsächlicher Umsetzung klafft noch eine große Lücke. Genau das macht soziale Beschaffung zu einem strategischen Zukunftsthema."

Die öffentliche Hand beschafft für geschätzte 500 Milliarden Euro pro Jahr, rund 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung). Gleichzeitig zeigt ein Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums, wie groß die Umsetzungslücke noch ist: In den Jahren 2021 und 2022 wurden nur in knapp 13 Prozent aller gemeldeten öffentlichen Aufträge nachhaltige Kriterien berücksichtigt (BMWK, 2024).

Sobald öffentliche Auftraggeber soziale und ökologische Kriterien konsequenter einfordern, verändert das auch Märkte, Lieferketten und Erwartungen an Anbieter. Wer sich frühzeitig aufstellt, reagiert nicht auf Druck, sondern gestaltet.

Der Business Case: Was Unternehmen konkret gewinnen

"Soziale Beschaffung ist nicht nur Haltung. Sie kann unternehmerisch sinnvoll sein."

Soziale Beschaffung lässt sich in drei Dimensionen denken. Erstens die Außenwirkung: ESG-Berichte und Nachhaltigkeitskommunikation werden relevanter. Wer soziale Beschaffung belegen kann, hat konkrete Inhalte. Zweitens die interne Verankerung: Soziale Einkaufskriterien machen Werte im Alltag sichtbar, nicht nur in der Imagekommunikation.

Drittens der direkte wirtschaftliche Vorteil: Aufträge an anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) können nach § 223 SGB IX auf die Ausgleichsabgabe angerechnet werden. Anrechenbar sind 50 Prozent des auf die Arbeitsleistung der Werkstatt entfallenden Rechnungsbetrags. Materialkosten zählen dabei nicht (§ 223 SGB IX).

Wie das in der Praxis funktioniert: Ausgleichsabgabe senken durch Werkstattaufträge

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Was Unternehmen heute schon sozial beschaffen können

"Soziale Beschaffung beginnt nicht erst mit komplexen Ausschreibungen. Ein guter Einstieg ist oft eine einzige Produktgruppe."

Viele Unternehmen können mit einfachen Produktgruppen starten: Bürobedarf, Kaffee und Tee, Geschenke für Mitarbeitende oder Kunden, Textilien, Druckerzeugnisse oder kleine Werbemittel. Ein sinnvoller erster Schritt ist, eine Kategorie auszuwählen und dort gezielt nach sozialen Alternativen zu suchen. Das können Produkte aus Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) sein, aus sozialen Manufakturen, von Inklusionsbetrieben oder Fairtrade-Anbietern.

Dass das keine Theorie ist, zeigt das Beispiel der Stadt Lohr a.Main. Die Stadt hat gemeinsam mit includo WILDBAGs eingeführt — nachhaltige Müllbeutel aus 100 Prozent gesammeltem Wildplastik, mit bis zu 83 Prozent weniger CO₂ und fairen Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern.

"Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt in unserer Beschaffungsordnung. Daher freuen wir uns sehr über die wegweisende Kooperation mit dem regionalen Startup includo."
Dr. Mario Paul, Erster Bürgermeister von Lohr a.Main

Mehr zu diesem und anderen Praxisbeispielen findest du hier: includo Referenzen

Wichtig ist dabei die saubere Einordnung: Nicht jeder soziale Einkauf ist automatisch auf die Ausgleichsabgabe anrechenbar. Für die Anrechnung nach § 223 SGB IX kommt es auf anerkannte Werkstätten und die ausgewiesene Arbeitsleistung an. Für die Wirkung im Unternehmen zählt aber mehr als nur die Anrechnung. Jeder bewusste Einkauf kann ein Signal setzen.

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Fazit: Soziale Beschaffung ist kein Zusatz, sondern ein Hebel

"Soziale Beschaffung macht Nachhaltigkeit konkret. Sie übersetzt Werte in Einkaufsentscheidungen."

Soziale Beschaffung übersetzt Werte wie Menschenrechte, Inklusion, Barrierefreiheit und faire Arbeit in konkrete Einkaufsentscheidungen. Die öffentliche Beschaffung zeigt, wohin die Entwicklung geht: Sozial- und Umweltstandards werden wichtiger, Kriterien wie Barrierefreiheit und Inklusion werden greifbarer. Unternehmen müssen nicht warten, bis daraus Druck entsteht. Sie können heute anfangen: mit einer Produktgruppe, einem Lieferanten, einem Pilotauftrag.

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FAQ

Was bedeutet soziale Beschaffung für Unternehmen?

Soziale Beschaffung bedeutet, beim Einkauf neben Preis und Qualität auch soziale Wirkung zu berücksichtigen. Dazu gehören Menschenrechte, faire Arbeitsbedingungen, Barrierefreiheit, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe.

Welche sozialen Kriterien kann ich bei der Beschaffung berücksichtigen?

Mögliche Kriterien sind Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Barrierefreiheit, Inklusion, faire Produktion und soziale Wirkung. Welche Kriterien sinnvoll sind, hängt von Produktgruppe, Lieferkette und Unternehmensziel ab.

Wie hängen Menschenrechte und Beschaffung zusammen?

Menschenrechte werden im Einkauf konkret, wenn Unternehmen Mindeststandards für Lieferanten setzen, Risiken in Produktgruppen prüfen und Anbieter bevorzugen, die faire Arbeitsbedingungen nachweisen können.

Kann ich mit sozialem Einkauf meine Ausgleichsabgabe senken?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Nach § 223 SGB IX können Aufträge an anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) teilweise angerechnet werden. Entscheidend sind 50 Prozent der ausgewiesenen Arbeitsleistung, nicht der gesamte Rechnungsbetrag.

Was ist der Unterschied zwischen ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit beim Einkauf?

Ökologische Nachhaltigkeit fragt nach Klima, Ressourcen und Umweltwirkung. Soziale Nachhaltigkeit fragt nach Menschenrechten, Arbeitsbedingungen, Teilhabe, Barrierefreiheit und Inklusion.

Wo kann ich sozial beschaffen?

Zum Beispiel bei Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Inklusionsbetrieben, sozialen Manufakturen oder Fairtrade-Anbietern. Für Geschäftskunden bietet includo einen direkten Einstieg: business.includo.net

Quellen zum Artikel


Die im Artikel verwendeten Bilder wurden mithilfe generativer KI erstellt.

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