Inklusion im Bildungssystem: Wo Deutschland wirklich steht

08.04.2024
von
Bunte Schulranzen verschiedener Kinder nebeneinander auf hellem Holzboden — includo Blog — Illustration erstellt mit KI

  • Im Schuljahr 2022/23 hatten 581.265 Kinder und Jugendliche in Deutschland einen sonderpädagogischen Förderbedarf — mehr als die Hälfte besuchte eine Förderschule (Bertelsmann Stiftung, 2024).
  • Die Exklusionsquote ist seit 2008/09 nur leicht gesunken: von 4,8 Prozent auf 4,2 Prozent im Schuljahr 2022/23 (Bertelsmann Stiftung, 2024).
  • Inklusion im Bildungssystem ist ein gesellschaftliches Ziel. Gleichzeitig brauchen unterschiedliche Kinder unterschiedliche Wege.

Inklusion im Bildungssystem ist kein neues Thema. Seit die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland gilt, ist der Auftrag klar: Bildung soll ohne Diskriminierung und auf Grundlage von Chancengleichheit zugänglich sein. Was das in der Praxis bedeutet und wie weit Deutschland gekommen ist, schauen wir uns hier genauer an.

In diesem Beitrag erfährst du:

Was inklusive Bildung wirklich bedeutet

"Inklusive Bildung bedeutet nicht, dass jedes Kind dasselbe braucht. Sie nimmt unterschiedliche Voraussetzungen ernst und versucht, passende Unterstützung im gemeinsamen Lernraum zu ermöglichen."

Inklusive Bildung bedeutet, dass Kinder gemeinsam lernen, unabhängig von körperlichen, kognitiven oder sozialen Voraussetzungen. Das Ziel ist nicht Gleichmacherei, sondern ein System, das Unterschiedlichkeit von Anfang an mitdenkt und individuelle Unterstützung im gemeinsamen Raum ermöglicht.

Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention beschreibt das Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung und ein inklusives Bildungssystem (Deutsches Institut für Menschenrechte: Artikel 24 UN-BRK).

Was Inklusion als gesellschaftliches Konzept grundsätzlich bedeutet, haben wir hier ausführlich aufgeschrieben: Was ist Inklusion?

Die Zahlen hinter der Vision

"Die politische Zielsetzung ist klar. Die Zahlen zeigen, wie weit der Weg noch ist."

Im Schuljahr 2022/23 wurde bei 581.265 Kindern und Jugendlichen ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt. Davon besuchten 55,6 Prozent eine Förderschule, 44,4 Prozent lernten an einer allgemeinen Schule (Bertelsmann Stiftung, 2024).

Die Exklusionsquote ist seit 2008/09 kaum gesunken: von 4,8 Prozent auf 4,2 Prozent im Schuljahr 2022/23. Gemessen am politischen Anspruch der UN-BRK ist das eine langsame Entwicklung (Bertelsmann Stiftung, 2024).

Den historischen und rechtlichen Hintergrund, wie Deutschland zu seinem heutigen Inklusionsstand gekommen ist, erklärt dieser Artikel: Inklusion in Deutschland: Geschichte und rechtliche Grundlagen

Warum Deutschland noch kein flächendeckend inklusives Bildungssystem ist

"Es fehlt kein guter Wille. Es fehlt ein koordiniertes, bundesweit einheitliches Vorgehen."

Deutschland arbeitet weiterhin mit zwei parallelen Strukturen: allgemeinen Schulen und Förderschulen. Die Bertelsmann Stiftung hält fest, dass bundesweit häufig zwei voneinander getrennte Schulsysteme koexistieren (Bertelsmann Stiftung, 2024).

Gleichzeitig gibt es kein länderübergreifendes, gemeinsam beschlossenes Konzept für den Ausbau inklusiver Schulstrukturen. Die Umsetzung hängt stark vom jeweiligen Bundesland ab, was zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führt (Bertelsmann Stiftung, 2024).

Unterschiede zwischen den Bundesländern

"Die Exklusionsquote reicht von 0,7 bis 6,4 Prozent — je nachdem, in welchem Bundesland ein Kind aufwächst."

Laut Bertelsmann Stiftung reicht die Exklusionsquote von 0,7 Prozent bis 6,4 Prozent (Bertelsmann Stiftung, 2024). Das zeigt, dass Inklusion in Deutschland keine einheitliche Realität ist. Wohnort und Bundesland spielen eine große Rolle dabei, welche Bildungsformen einer Familie offenstehen.

Was im Alltag trotzdem funktioniert

"Es gibt Schulen, in denen gemeinsames Lernen gelingt. Sie zeigen, was möglich ist, wenn Rahmenbedingungen stimmen."

Trotz struktureller Hürden gibt es Schulen, in denen inklusive Bildung gut funktioniert. Die Grundschule Berg Fidel in Münster und die Gesamtschule Köln-Holweide werden in der Fachliteratur wiederholt als Referenzbeispiele genannt. Sie zeigen, dass gemeinsames Lernen im Alltag gelingen kann, wenn Personal, Unterrichtskonzepte und Schulgemeinschaft zusammenpassen.

Diese Beispiele widerlegen keine strukturellen Probleme. Aber sie machen sichtbar, was unter guten Bedingungen möglich ist.

Verschiedene Wege für verschiedene Bedarfe

"Das Ziel ist mehr Inklusion. Gleichzeitig brauchen unterschiedliche Menschen unterschiedliche Unterstützung — und das verdient Wertschätzung."

Die gesellschaftliche Debatte um inklusive Bildung ist wichtig und richtig. Gleichzeitig lohnt es sich, sie differenziert zu führen. Förderschulen bieten für manche Kinder genau den Rahmen, den sie brauchen: kleinere Gruppen, spezialisiertes Personal, individuelle Förderung in einem geschützten Umfeld. Das ist für viele Familien eine bewusste und wertvolle Entscheidung.

Das politische Ziel, mehr Kindern den Zugang zu allgemeinen Schulen zu ermöglichen, und die Wertschätzung für bestehende Förderwege schließen sich nicht aus. Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Diese Haltung ziehen wir bei includo konsequent durch. Werkstätten für behinderte Menschen, Inklusionsbetriebe und andere Formen sozialer Teilhabe sind nicht Zwischenstationen auf dem Weg zu etwas Besserem. Sie sind eigenständige, wertvolle Bausteine eines Systems, das unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Wege eröffnet.

Warum das Thema auch Unternehmen betrifft

"Inklusion zieht sich durch Schule, Ausbildung und Arbeitsleben. Unternehmen sind Teil dieses Systems."

Bildung legt Grundlagen für spätere Teilhabe. Welche Wege Kindern nach der Schule offenstehen, ob Ausbildung, erster Arbeitsmarkt, soziale Werkstätten oder andere Formen der Beschäftigung, hängt auch davon ab, welche Erfahrungen sie im Bildungssystem gemacht haben.

Unternehmen knüpfen daran an, als Arbeitgeber, als Auftraggeber und als gesellschaftliche Akteure. Wer inklusive Strukturen im Arbeitsleben schafft, trägt dazu bei, dass Teilhabe nicht beim Schulabschluss endet.

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Fazit: Inklusion ist ein System, kein Einzelprojekt

"Die Daten zeigen, wie weit der Weg noch ist. Sie zeigen aber auch, dass Bewegung möglich ist."

Mehr als die Hälfte der Kinder mit Förderbedarf besucht weiterhin eine Förderschule. Die Exklusionsquote ist seit 2008/09 nur leicht gesunken (Bertelsmann Stiftung, 2024). Das ist kein Grund für Resignation, aber ein Anlass, strukturelle Fragen ernst zu nehmen und gemeinsam weiterzudenken.

Inklusion gelingt nicht durch einzelne Leuchtturmprojekte allein. Sie braucht ein System, das Übergänge zusammendenkt, und eine Gesellschaft, die unterschiedliche Wege gleichermaßen wertschätzt.

FAQ

Was bedeutet Inklusion im Bildungssystem?

Inklusion im Bildungssystem bedeutet, dass Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam lernen und die notwendige Unterstützung im gemeinsamen System erhalten. Grundlage ist Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention.

Wie inklusiv sind Schulen in Deutschland wirklich?

Im Schuljahr 2022/23 hatten 581.265 Kinder und Jugendliche einen Förderbedarf. 55,6 Prozent besuchten weiterhin eine Förderschule, 44,4 Prozent lernten an einer allgemeinen Schule (Bertelsmann Stiftung, 2024).

Was ist der Unterschied zwischen Inklusionsquote und Exklusionsquote?

Die Inklusionsquote misst den Anteil der Kinder mit Förderbedarf, die an allgemeinen Schulen lernen. Die Exklusionsquote misst den Anteil der Kinder mit Förderbedarf an Förderschulen, bezogen auf alle vollzeitschulpflichtigen Schülerinnen und Schüler.

Sind Förderschulen grundsätzlich schlechter als allgemeine Schulen?

Nein. Förderschulen bieten für manche Kinder genau den Rahmen, den sie brauchen: spezialisiertes Personal, kleinere Gruppen und individuelle Förderung. Das politische Ziel, mehr Kindern Zugang zu allgemeinen Schulen zu ermöglichen, und die Wertschätzung für bestehende Förderwege schließen sich nicht aus.

Welche Bundesländer sind beim Thema Schulinklusion am weitesten?

Die Exklusionsquoten unterscheiden sich stark: von 0,7 Prozent bis 6,4 Prozent je nach Bundesland (Bertelsmann Stiftung, 2024). Für eine aktuelle Länderübersicht empfiehlt sich das Factsheet direkt bei der Bertelsmann Stiftung.

Wie hängen inklusive Bildung und inklusiver Arbeitsmarkt zusammen?

Schule legt Grundlagen für spätere Teilhabe. Welche Wege danach offenstehen, hängt auch von Bildungserfahrungen ab. Unternehmen können daran anknüpfen, durch inklusive Beschäftigung, barriereärmere Prozesse und soziale Beschaffung.

Quellen zum Artikel


Die im Artikel verwendeten Bilder wurden mithilfe generativer KI erstellt.